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10.000 neue Bewohner vor Spandaus Grenze

09.09.2019

In Krampnitz entsteht ein neuer Potsdamer Stadtteil gut fünf Kilometer von Kladow entfernt. Der zusätzliche Verkehr bereitet jedoch Sorgen


SPANDAU/POTSDAM — Gut fünf Kilometer von Spandau entfernt tut sich etwas. Das knapp 150 Hektar große, ehemalige Militärgelände Krampnitz wandelt sich, es laufen die Vorbereitungen für einen neuen Potsdamer Stadtteil. Erste, nicht denkmalgeschützte Gebäude sind bereits verschwunden, zurzeit wird im Norden des Areals ein früherer Kohlebunker abgerissen. Rund 9400 Tonnen Abbruchmaterial würden insgesamt anfallen, erklärt Sebastian Brandner, Sprecher der Entwicklungsträger Potsdam GmbH (ETP). In diesem Herbst will auch die „Deutsche Wohnen" mit dem Abriss von Häusern beginnen und denkmalgeschützte Gebäude zur Sicherung mit Notdächern versehen werden. In Zukunft sollen hier, kurz vor der Grenze zu Spandaus Ortsteil Kladow, einmal 10.000 Menschen leben. Die ersten werden planmäßig in zwei Jahren einziehen. Auch Potsdam wächst, braucht dringend neuen Wohnraum. Die Umwandlung der früheren Kasernenanlage Krampnitz sei „die letzte große Konversionsmaßnahme Im Stadtgebiet", heißt es aus Potsdam. 1200 Wohnungen sollen in den bestehenden denkmalgeschützten Gebäuden entstehen, dazu 3800 in Neubauten. Doch was einigen Sorgen bereitet, ist die Anbindung. Die Bundesstraße B2 zwischen Potsdam und Spandau und der parallele Kladower Damm sind heute schon häufig überlastet. Künftig könnte ein Verkehrschaos drohen, so die Befürchtung. Carmen Klockow ist Ortsvorsteherin von Neu Fahrland, einem Potsdamer Ortsteil, der auf einer Halbinsel, umgeben von fünf Havelseen und dem Sacrow-Paretzer Kanal liegt. Neu Fahrland grenzt direkt an Krampnitz, durch den Ortsteil führt die B2, die dann in eine Richtung weiter ins Potsdamer Zentrum, in die andere Richtung durch Kladow verläuft. Die Kommunalpolitikerin vom „Bürgerbündnis" sagt: „Das Problem der Pendlerströme von und nach Berlin wurde bei den Planungen zu Krampnitz völlig ausgeblendet. Ich habe die Sorge, dass wir auf eine Katastrophe zusteuern." Klockow ist selbst häufig zwischen Potsdam und Spandau unterwegs. Wenn sie zu Berufsverkehrszeiten zum Bahnhof Spandau will, erzählt sie, brauche sie mit dem Bus 638 die einzige Nahverkehrsverbindung, die es zurzeit gibt manchmal 6o Minuten. Laut Fahrplan sollten es 36 sein. „Die B2 ist seit erheblicher Zeit überlastet", sagt die Ortsvorsteherin. In den vergangenen Jahren habe es einen „wahnsinnigen Bauboom" gegeben: Statistiken zeigen, dass Neu Fahrland, wie die umliegenden Ortsteile Groß Glienicke und Fahrland, deutlich,gewachsen ist. Nun soll noch Krampnitz,kommen. Die B2 hat in jede Fahrtrichtung aber nur eine Spur. „Wie soll das alles,funktionieren?", fragt Klockow.

Süden des Bezirks wird laut Stadtrat zu „Transitgebiet"

Skepsis gibt es auch auf Spandauer Seite. „Ich gehe davon aus, dass die Pendlerverkehre aus Potsdam nach Berlin über die Bundesstraße 2 weiter zunehmen werden", sagt der für Verkehr zuständige Bezirksstadtrat Frank Bewig (CDU). Der Spandauer Süden werden mehr und mehr zum „Transitgebiet" für Pendler zwischen den beiden Städten. Ein entsprechendes Nahverkehrsangebot aber fehle, so der Stadtrat, der ebenfalls kritisiert, dass die Probleme nicht richtig wahrgenommen werden. „Der Bezirk hat mehrfach gegenüber der Senatsverkehrsverwaltung für Verkehr angeregt, sich intensiver mit der verkehrlichen Erschließung des Spandauer Südens zu beschäftigen", sagt Bewig. Mit seinem Potsdamer Kollegen habe er auch versucht, gemeinsame Treffen mit dem Land Brandenburg zu organisieren. Bislang seien die Versuche aber erfolglos geblieben. In Potsdam beurteilt man die Lage weniger kritisch. Man schaffe nicht nur Wohnraum, sondern auch die notwendige Infrastruktur: Drei Schulen, sieben Kitas und Einzelhandel, außerdem Arbeitsplätze was das Pendeln der künftigen Bewohner im besten Fall überflüssig machen soll. Für die, die doch pendeln müssen, soll der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden. „Der Potsdamer Norden wird laut Landesnahverkehrsplan ab Dezember 2022 über eine direkte Regionalbahnanbindung mit Spandau verbunden", erklärt Potsdams Sprecher Markus Klier. Der Zug soll über den Bahnhof Marquardt fahren, an den Krampnitz mit einem Bus angebunden werden soll. Auch zwischen Spandau und Krampnitz sollen Busse fahren. „Daher wird das Verkehrsaufkommen zwischen Potsdam und Berlin zwar zunehmen, aber die Zunahme des Autoverkehrs begrenzen", so der Sprecher. An Potsdams Zentrum soll Krampnitz per Straßenbahn angebunden werden, wann genau ist aber offen. Mitte 2020 soll das Planfeststellungsverfahren beginnen, das mehrere Jahre dauern kann. Die Zeit, bis die Straßenbahn fährt, soll mit Bussen überbrückt werden. Carmen Klockow reicht das nicht.Sie hat mit ihrer Bürgerbündnis-Fraktion in Potsdams Stadtverordnetenversammlung einen Antrag gestellt, die Planungen für das Areal in Krampnitz solange zurückzustellen, bis „ein tragfähiges Verkehrskonzept für die Region erstellt wurde". Ihre Kritik: Zwar seien 2015 die Verkehrs und Immissionsausvvirkungen von Krampnitz untersucht worden. Allerdings ging man damals von 3800 und nicht von 10.000 Einwohnern aus. Auch Brandenburgs Infrastrukturministerium erklärt, Voraussetzung für eine weitere Entwicklung des Quartiers und eine Zustimmung der Gemeinsamen Landesplanung Berlin Brandenburg sei, dass Potsdam eine detaillierte Verkehrsauswirkungsanalyse und ein Verkehrskonzept erarbeite. Klockow meint, es müssten sich alle Ortsteile und Gemeinden in del Region „an einen Tisch setzen und gucken, wie kann man Verkehrsströme optimal lenken, statt einfach anzufangen zu bauen." Stadtrat Bewig äußert sich ähnlich. Brandenburg und Berlin müsster sich viel enger bezüglich der Pendlerverkehre abstimmen, meint er, und: „Aus meiner Sicht würde es weiter Sinn ergeben, langfristig auch eine U-Bahnverlängerung in Richtung Kladow und Gatow vorzusehen." Dort könnten dann Pendler aus Potsdam aufgenommen werden. Bis das Quartier in Krampnitz fertig ist, wird aber noch einige Zeit vergehen Im Fokus steht zunächst die Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude, die könne nicht weiter aufgeschoben werden, sagt ETP-Sprecher Brandner. Anfang 2020 will das Unternehmen mil dem Straßen und Leitungsbau beginnen. Was die weitere Entwicklung betrifft, so die Einschätzung der ETP könnten bis zu 5000 Menschen durch Busse gestemmt werden. Darüber hinaus brauche es aber die Straßenbahn. „Hier kommt es also darauf an, in späterer Phasen die Entwicklung des Quartien mit der Planung und dem Bau der Straßenbahn zu synchronisieren", sagt Brandner. Wann die letzten Einwohner einziehen, steht daher nicht fest. Ausgegangen werde von einem Entwicklungszeitraum von mindestens 15 Jahren.

Die ETP bietet auf dem Gelände regelmäßig Führungen an. Die Septembertermine sind ausgebucht, Zusatztermine werden aber geprüft. Mehr Informationen: www.potsdamtourismus.de

 

Quelle: Berliner Morgenpost vom 07.09.2019

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