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Creative Village am RAW noch offen

18.12.2018

Unklare Investoren, umstrittene Architektur: Ob die Mega-Investition am Bahnhof kommt, ist fraglich


Südliche Innenstadt. Die geplante 100-Millionen-Euro-Investition in ein „Creative Village" am östlichen Ende des einstigen Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) bringt eine Neuauflage des sattsam bekannten Streits zwischen Investoren und Verfechtern einer behutsamen Stadtentwicklung. Denkmalpfleger wie Ex-Stadtkonservator Andreas Kalesse schlagen Alarm, der Gestaltungsrat ruft nach einem Wettbewerb, der Investor warnt vor einem Scheitern des Projekts.

Investor Mirco Nauheimer will mit seiner Gesellschaft The RAW in Potsdam unter Einbeziehung denkmalgeschützter Hallen ein Technologie und Gründerzentrum für bis zu 1000 Arbeitsplätze errichten. Die Rede ist vom größten Einzelstandort für Digitalwirtschaft in Europa. Kern ist die 1912 errichtete Neue Halle, die saniert und mit Arbeitsplätzen in zwei Etagen, einem 500 Plätze großen Hochschulsaal und einer Cafeteria besetzt werden soll. Vor die Halle soll ein Boardinghaus gesetzt werden, in Richtung Babelsberg soll sich an der Friedrich-Engels-Straße entlang ein 255 Meter langer, siebengeschossiger Büroriegel anschließen. Die Neubauten sollen über die Halle hinweg per Brücke verbunden werden.

Worüber wird gestritten? Für Streit sorgenvor allem die zuerst von derMAZveröffentlichten schieren Dimensionen: Die Brücke und der Bürotrakt sollen sich mit einer im Zickzack geführten Dachkonstruktion bis zu 33 Meter aufschwingen, die fast 15 Meter hohe Neue Halle würde da quasi verschwinden. Ex-Stadtkonservator Andreas Kalesse verweist auf das „Einfügungsgebot" : „Nach dem in Berlin und Brandenburg geltenden Denkmalrecht darf ein hinzutretender Neubau das Denkmal (hier die RAW-Hallen) nicht ,übertönen'." Der von der Stadt bestellte Gestaltungsratplädierte am Freitag für ein Wettbewerbsverfahren, „das die beste Lösung in einer Konkurrenz unterschiedlicher Entwürfe sucht ".

Was sagt der Investor dazu? Mirco Nauheimer wirbt: „Wir sind überzeugt, dass die expressive Architektur diesen zentralen Standort aufwerten wird." Vor dem Gestaltungsrat argumentierte er am Freitag auch mit Wirtschaftlichkeit: „Wir brauchen die Masse." Und erwarntevor einem Scheitern des Projekts .,,Wir müssen schnell an denStart. Die Branche ist wie ein Hefeteig, wenn wir nicht in vier bis sechs Jahren liefern, dann ist die Chance weg."

Welche Macht hat der Gestaltungsrat? Als berufenes Gremium von Stadtplanern und Architekten ist der Gestaltungsrat bei ausgewählten Bauprojekten mit Relevanz für das Stadtbild beratend tätig. Für die Stadtverordneten haben seine Empfehlungen hohes Gewicht. Deshalb ist damit zu rechnen, dass sie dem Bebauungsplan ohne Empfehlung des Gestaltungsrates ihre Zustimmung verweigern.

Welche Fragen sind außerdem offen? Erst vor drei Wochen gab Nauheimer bekannt, dass er das Projekt mit einem Partner aus Zypern stemmen will. Bei der Stadt war gestern weder in Erfahrung zu bringen, ob dem Rathaus mittlerweile aussagekräftige Unterlagen dazu vorgelegt wurden. Unbekannt blieb ebenso, um welche Firmen es sich bei den von Nauheimer angekündigten ersten zwei großen Ankermietern handelt, die bereits mit insgesamt 700 Mitarbeitern zugesagt haben sollen.

Droht ein Scheitern des Projekts? Sicher noch nicht. Wolfhard Kirsch etwa verweist als Fraktionschef vom Bürgerbündnis und Immobilienfachmann auf den vorgesehenen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, der die künftige Nutzung festlege und damit Spekulation erschwere. „Die Frage ist doch: Brauchen wir 1000 Arbeitsplätze an dem Ort oder machen wir weiter auf verträumt.

 

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung vom 18.12.2018

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