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Gutachter warnen vor Verkehrschaos in Krampnitz

24.06.2020

Chaos durch Krampnitz: Die geplante Bebauung könnte zu langen Staus führen


KRAMPNITZ Die geplante Errichtung des neues Stadtviertels auf dem ehemaligen Kasernengelände in Krampnitz wird für die Potsdamer Verkehrsplanung zum großen Problem. So kommt eine aktuelle Verkehrswirkungsanalyse für den kommunalen Entwicklungsträger zu dem Schluss, dass die „Kfz-Verkehrsabwicklung im Potsdamer Stadtgebiet" bereits jetzt „hoch belastet ist und mit den vorhandenen örtlichen beziehungsweise baulichen Zuständen und den derzeitigen signaltechnischen, verkehrstechnischen sowie programmtechnischen Gegebenheiten teilweise Leistungsfähigkeitsdefizite aufweist." Mit der zunehmenden Entwicklung des Viertels sei mit weiteren Schwierigkeiten zu rechnen, auch mit Blick auf die Anbindung nach Berlin oder Groß Glienicke, heißt es in dem den PNN vorliegenden Gutachten der auf Planungen solcher Art spezialisierten Bernard Gruppe aus Österreich. Demnach nutzte man für die Analyse ein Verkehrsflussmodell der Stadt mit Daten aus 2015 und spielte mehrere Entwicklungsstufen für das künftige Viertel durch. Im Detail wird zum Beispiel eine Verschlechterung des Verkehrsflusses im Bereich Jäger und Hegelallee erwartet, mit langen Wartezeiten für Autofahrer selbst in der ersten Ausbaustufe von Krampnitz mit noch 1800 Wohnungen. Hier müssten „Signalzeitenplanoptimierungen" greifen, empfehlen die Planer was also längere Grünzeiten für Autofahrer bedeutet. Dies würde an der Kreuzung Pappelallee/Jägerallee in der höchsten Ausbaustufe von Krampnitz mit 10 000 Einwohner nicht mehr reichen, sonst drohen lange Rückstaus: Hier empfehlen die Planer bauliche Maßnahmen, etwa eine zusätzliche Fahrspur in Richtung Innenstadt. Wo diese gebaut werden könnte, steht im Papier aber nicht. Eng würde es auch am Knotenpunkt zwischen der B2 bei Krampnitz und der Gellertstraße in Richtung Fahrland. Auch hier fürchten die Planer eine erhebliche „Verschlechterung der Verkehrsqualität", gerade in der höchsten Ausbaustufe mit mutmaßlich 4100 zusätzlichen Autofahrten dort pro Tag. Das mache zusätzliche Fahrstreifen an der B2 nötig. Ferner weisen die Verkehrsplaner auf die von der Stadt vorgesehene Querung der geplanten Tramtrasse mit der Bundesstraße hin, was zu „weiteren Anforderungen" für den Verkehrsknoten führen werde. Das sei aber nicht Teil der Studie, heißt es in dem Papier. Die Tram selbst werde zu einer bereits im Gutachten enthaltenen Reduzierung von 1600 Kfz-Fahrten pro Tag führen, heißt es in dem Papier auch. An Maßnahmen im Straßenbau wird die Stadt demnach kaum vorbeikommen. Auch nördlich von Krampnitz werden Beeinträchtigungen erwartet vor allem am Knotenpunkt Potsdamer Chaussee/Ritterfelddamm in Berlin. Auch hier könne nur ein Ausbau mit der Schaffung einer zusätzlichen Spur für die nötige Kapazitätserweiterung sorgen, empfehlen die Verkehrsplaner. Nicht im Detail betrachtet werden die erwarteten Baustellen im Zuge des geplanten Trambaus und ihre Auswirkungen auf den Verkehr. Um Krampnitz geht es am heutigen Mittwoch auch im Hauptausschuss der Stadtverordneten, dort wird der aktuelle Statusbericht zu dem Projekt vorgestellt. So soll wie berichtet das Viertel erst für maximal 5000 Bewohnern gebaut werden, zunächst ohne Sozialwohnungen. Erst mit Fertigstellung der für 2029 vorgesehenen Tramstrecke von Krampnitz in die Innenstadt sollen dann weitere 5000 Menschen hinzukommen. Allerdings gibt es noch Unwägbarkeiten, weil die Stadt noch diverse Privatgrundstücke erwerben, ein Planfeststellungsverfahren durchlaufen sowie die Finanzierung klären muss. Allerdings sind Anwohner bereits wegen der ersten Ausbaustufe von Krampflitz besorgt, sie könne zu einem Verkehrschaos im Norden führen dann ist noch eine Anbindung nur mit Bussen geplant. Zu den Kritikern gehört die Ortsvorsteherin von Neu Fahrland, die Stadtverordnete Carmen Klockow (Bürgerbündnis). Sie hat die Verkehrswirkungsanalyse in den von der Stadt jüngst veröffentlichen Unterlagen zu einem Krampnitz-Bebauungsplan „gefunden", wie sie den PNN sagte. Zu ihrer Verwunderung seien die vielen Detailaussagen in dem Papier aber nicht im aktuellen Statusbericht zu Krampnitz enthalten, den die Bauverwaltung für den Hauptausschuss erstellt hat. In dem Papier heißt es lediglich, Zwischenstände zu dem Gutachten habe man schon vergangenes Jahr kommuniziert die Studie selbst übergebe man nun der Landesplanungsabteilung. Diese muss die Pläne also noch auf ihre Umsetzbarkeit prüfen.

 

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 24.06.2020

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