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Krampnitz verschärft Verkehrschaos

24.06.2020

Wirkungsanalyse belegt Risiko der Überlastungen entlang der B2 und im Zentrum / Stadt setzt weiter auf Alternativen zum Auto Kritiker warnen vor Schönrechnerei


Potsdam. Potsdams Verkehrsprobleme verschärfen sich mit dem Bau des neuen Stadtteils Krampnitz deutlich. Mehr Radverkehr, mehr Busse, mehr Straßenbahnen sind die einzige Chance gegen einen Kollaps das ist in aller Kürze das Ergebnis der Verkehrswirkungsanalyse, die der Entwicklungsträger Potsdam beauftragt hat, um die Folgen auf den Verkehr vorauszusagen, wenn in Krampnitz einmal bis zu 10000 Menschen wohnen. Diese von der Landesregierung geforderte Analyse ist nun fertiggestellt und liegt derMAZ vor. Sie wurde vom Berliner Planungsbüro Brenner Bernard Ingenieure erstellt. Mit der Darstellung des Verkehrsaufkommens an acht ausgewählten Kreuzungen und den Tabellen, wie sich der Verkehr in Krampnitz im Zuge der Bebauung entwickeln könnte, ist der Bericht 310 Seiten stark. Auf seiner Grundlage soll das Land dem großen Vorhaben zustimmen. Weil Krampnitz nicht als Siedlungsbereich im Landesentwicklungsplan dargestellt wird, ist bei allen vorangetriebenen Bebauungs und Masterplänen noch immer die Zustimmung der Gemeinsamen Landesplanung der Länder Berlin und Brandenburg nötig. Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos) sagte der MAZ zum Ergebnis der Analyse: „Wir sehen klar, dass unser Verkehrskonzept und unsere Art von Mobilität mit weniger Autoverkehr in diesem Stadtteil erfolgreich gestaltet werden können. " Er geht davon aus, dass die Analyse in der Landesplanung angesichts der „konzeptionellen Festigkeit" der geplanten Mobilität in Krampnitz „positiv gesehen" werde. Das erhofft er sich auch von den Kritikern, etwa in Groß Glienicke. „Die profitieren von Krampnitz, weil sie durch die dortige Infrastruktur nicht mehr bis in die Innenstadt müssen." Im Bericht wird einerseits deutlich, dass Potsdams Verkehrsprobleme vom Wachstum der Stadt und der Umlandregion bestimmt werden nicht allein von Krampnitz. So habe sich gezeigt, „dass die Kfz Verkehrsabwicklung im Stadtgebiet bereits hoch belastet ist und mit den vorhandenen örtlichen und baulichen Zuständen und den signaltechnischen, verkehrstechnischen sowie programmtechnischen Gegebenheiten teilweise Leistungsfähigkeitsdefizite aufweist". Allerdings konstatieren die Autoren im Fazit: „Mit einer zunehmenden Entwicklung des ehemaligen Kasernenstandortes Krampnitz steigt die Herausforderung der leistungsfähigen Abwicklung des Verkehrs." Verbesserungsmöglichkeiten sehen die Autoren auch in Umbauten und Schaltungsoptimierungen. Vor allem die Kreuzung von Jäger und Pappelalleenördlich des Dorint-Hotels wird langfristig erheblich belastet und erhält im nachmittäglichen Berufsverkehr die schlechteste Qualitätseinstufung der Skala. Gleiches gilt für die Auffahrt auf die B2 aus Fahrländer Richtung über die Gellertstraße dort habe man schon jetzt im morgendlichen Berufsverkehr die zweitschlechteste und am Nachmittag die schlechteste Einstufung des Verkehrsflusses. Der heftige Rückstau, den die Planer erwarten, sei länger als die Linksabbiegespur nach Fahrland.

Neu Fahrlands Ortsvorsteherin Carmen Klockow (Bürgerbündnis) ärgert sich, dass zwar jüngst ein umfangreicher Statusbericht zu Krampnitz vorgelegt wurde, dort aber nur ein versteckter Hinweis auf die Verkehrswirkungsanalyse ohne deren Ergebnisse erfolgt ist dabeiwar die Analyse zu diesem Zeitpunkt bereits fertiggestellt. Sie ist in den Anlagen für den gerade öffentlich ausgelegten Bebauungsplan Nr. 141-3 Entwicklungsbereich Krampnitz Klinkerhöfe Nord” längst online. Klockow zweifelt zudem die Datengrundlage der Analyse an. So werden auf der B2 in Neu Fahrland nur 19 450 Fahrzeuge pro Tag angenommen. In anderen Bebauungsplänen ihres Ortsteils ist aber eine Zahl von 25 000 Autos angegeben für das Jahr 2005. Im Bericht wird in der finalen Entwicklungsstufe von Krampnitz ab etwa 2038 von nur 23 550 Autos auf diesem Abschnitt ausgegangen. Die Ortsvorsteherin bat im Rathaus zudem um eine Bürgerversammlung für die Neu Fahrländer zur Verkehrsanalyse. Dies wurde allerdings mit Verweis auf die „ aktuellen Corona-bedingten dienstlichen Rahmenregelungen" von der Stadtverwaltung abgelehnt.

Auch der Stadtverordnete Andreas Menzel (BVB/Freie Wähler), der in Groß Glienicke lebt, fordert eine weitere Bürgerversammlung, nachdem nun die Analyseergebnisse vorliegen. Er sieht in den Ergebnissen nur die Auswirkungen des bestmöglichen Szenarios geprüft, wonach nur jeder zweite Haushalt ein Auto hat und 70 Prozent des Verkehrs in Richtung Potsdam fließen. Er kritisiert, dass kein „Worst Case" mit deutlich schlechteren Annahmen überprüft wurde und befürchtet langfristig „Dauerstaus am Kreisel des Einkaufszentrums, in der Ortsdurchfahrt, am Knoten Ritterfelddamm und am Knoten Heerstraße Richtung Berlin". Zudem wirft er dem Oberbürgermeister vor, dass die öffentliche Auslegung des ersten Bebauungsplans für Krampnitz in den Beginn der politischen Sommerpause und die Ferienzeit fällt und Bürgerbeteiligung damit erschwert werde. Bis 17. Juli läuft die Beteiligung noch.

 

Quelle: Märkische Allgemeine vom 24.06.2020 

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