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Rathaus kontert Vorwürfe zu Krampnitz

17.11.2022

Die Stadt Potsdam sucht Projektentwickler für einen geplanten Gewerbebau im künftigen Stadtviertel Krampnitz zum Ärger von Kritikern des Großprojekts


KRAMPNITZ Kritiker des geplanten neuen Stadtviertels Krampnitz erheben erneut Vorwürfe. Diesmal geht es um ein aktuelles Vergabeverfahrenfür einen geplanten Gewerbebau am künftigen Eingangsbereich des neuen Stadtteils. Die Pro Potsdam als kommunaler Entwicklungsträger hat jenes Großvorhaben gerade gestartet. Die Kritik: Die gegenüber dem früheren Masterplan für Krampnitz veränderten Planungen für den Bau würden viel mehr Nutzfläche schaffen als bisher durch das bestehende Baurecht möglich ist. Durch die fehlenden Rechtsgrundlagen könne der Stadt ein großer Schaden entstehen, wenn diese Pläne dann nicht umgesetzt werden könnten. Doch das Rathaus und seine kommunale Bauholding Pro Potsdam weisen diese Kritik zurück: Bietern sei bekannt, dass der Bebauungsplan für das Gebiet noch geändert werden müsse.

Anlass für den Streit ist ein neu veröffentlichtes Exposé, mit demdie Pro Potsdam noch bis zum 10. Januar nachInvestoren für das besagte Gebäude sucht. Demnach soll das dafür nötige 3700 Quadratmeter große Grundstück für mindestens sechs MillionenEuro verkauft werden. Dort könne unter anderem ein 1000 Quadratmeter großer Supermarkt entstehen, aber auch Wohnungen, Arztpraxen, Gastronomie und kleinere Geschäfte, so die Idee. Im Umfeldwürdenbis Ende 2024 schon Wohnungen für 700 Neu-Krampnitzer entstehen, danach seien pro Jahr jeweils 1000 Einwohner zusätzlich geplant, wirbt man mit potenzieller Kundschaft. Der Stadtverordnete Andreas Menzel (Freie Wähler) und das oppositionelle Bürgerbündnis sehen die Werbung sehr kritisch. Es würden Versprechungen an potentielle Investoren abgegeben, ohne dass dafür schon Baurecht bestehe. Laut Exposé sind mehr als 10.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche versprochen laut B-Plan aber nur 8000 Quadratmeter möglich, so Menzel. „Der geplante Neubau wirkt zudem unproportioniert und mächtig, insbesondere im Verhältnis zum umgebenden, denkmalgeschützten Bestand", erklärt der Stadtpolitiker in einer Anfrage zu dem Vorgang, die er an das Rathaus gerichtet hat. Dort weist man die Kritik zurück. Man habe Überlegungen, die nach einem Architekturwettbewerb für diesen Bereich angestellt worden waren, verworfen, so die Bauverwaltung. Anlass seien Bedenken von Denkmalbehörden gewesen, dass der besagte Bau zu dicht an einem historischen Stabsgebäude aufdem früheren Kasernengelände stehen würde. Zudem war eine zentrale Quartiersgarage damals noch oberirdisch geplant, herausgekommen wäre ein „weitestgehend fensterloses vierstöckiges Gebäude", so ein Pro-Potsdam-Sprecher. Stattdessen habe maneinen anderen Plan entwickelt, so die Bauverwaltung: „Das Nordgebäude wird nun am Markt mit der Forderung nach einer Tiefgarageangeboten,um einen Investor zu finden, mit demdas Projekt vor allem architektonisch und für einen guten Nutzungsmix weiterentwickelt werden kann." Dazu habe man im Juni ein internes Werkstattverfahren mit Pro Potsdam, Stadtverwaltung, Verkehrsbetrieb und Denkmalschutzbehördenplus zwei Architekturbüros durchgeführt, so das Rathaus. Die Stadtverordneten würden mit der nötigen Änderung des B-Plans beteiligt. Über denUmgang mit demPlatzhabe man in den Statusberichten zu Krampnitz informiert, zuletzt allerdings Ende 2021 damals war von den Planänderungen freilich noch nicht die Rede. Gleichwohl sei so ein Verfahren auch bei anderen Entwicklungsgebieten nicht unüblich, sagt die Verwaltungund nennt als Beispiel das Kreativquartier in der Potsdamer Mitte. Die Stadtpolitik befasst sich schon mit dem Thema. In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung gab es bereits einen Dringlichkeitsantrag vom Bürgerbündnis und von Andreas Menzel. Damit wollten diese die Pro Potsdam anweisen, das strittige Verkaufsverfahren ruhend zu stellen. Dem widersprach Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos). Das Verfahren diene der Qualitätssicherung und es könne auch kein wirtschaftlicher Schaden für die Stadt entstehen, versichert er. Schließlich verneinten die Stadtverordneten mehrheitlich die Dringlichkeit des Antrags er wird nun im Dezember behandelt.

Unterdessen werden die Pläne für das Viertel immer konkreter. In der Kundenzeitschrift der Stadtwerke informierte deren Verkehrsbetrieb (ViP) jetzt, dass im Laufe des vierten Quartals die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren für einenTeil der künftigen Tramtrasse abgegeben werde wie berichtet ein Jahr später als gedacht. Es geht dabei um den Abschnitt an der Nedlitzer Straße in Höhe der Roten Kasernen, der zweispurig ausgebaut werden soll. Hier könnten die Bauarbeiten laut ViPim ersten Halbjahr 2024beginnen, um sie Ende 2025 abschließen zukönnen. Die eigentliche Haupttrasse soll möglichst Ende 2029 fertig werden ob das angesichts zahlreicher Klagedrohungen, insbesondere ausNeu Fahrland, gelingen kann, ist noch ungewiss. Zugleich stellen die Stadtwerke angesichts der Energiekrise auch noch einmal die Versorgung von Krampnitz mit Strom undWärme aufden Prüfstand. Manwolle sich stärker auf den Einsatz von Umweltenergie fokussieren und auch bereits verworfene Themen noch einmal durchdenken, machten die Projektchefs der Stadtwerke zuletzt in einem Interview deutlich. Man prüfe Wärmegewinnung aus tieferen Erdlagenund dem Krampnitzsee, aber auch die Einbeziehung aller Gebäudedächer, hieß es. Noch nicht ausgemacht sei, ob dafür noch eine einst angedachte Energiezentrale nötig ist oder man auf dezentrale Lösungen setzt. Die ersten Ergebnisse sollen Anfang 2023 vorgestellt und diskutiert werden. Ziel sei weiter die Klimaneutralität für das auch autoarm geplante Viertel, in dem einmal bis zu 10.000 Menschen leben sollen, so die Projektmanager der Stadtwerke. Dafür haben wie berichtet bereits die Verlegung von Leitungen und der Straßenbau begonnen.

 

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 17.11.2022

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