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Rückschlag für den Minsk-Erhalt

26.04.2018

Bauausschuss machte mit knapper Mehrheit den Abriss des maroden Gebäudes wahrscheinlicher


INNENSTADT Der Erhalt des ehemaligen Terrassenrestaurants Minsk am Brauhausberg wird unwahrscheinlicher: Nach heftiger Diskussion hat der Bauausschuss am späten Dienstagabend mit knappem Ergebnis zwei Anträge von Linken und Grünen zugunsten des maroden DDR-Gebäudes abgelehnt. Grüne und Linke stimmten dafür, Vertreter von CDU und SPD erwartungsgemäß dagegen. Wolfhard Kirsch (Bürgerbündnis/FDP), dessen Fraktion als Zünglein an der Waage galt, lehnte die Anträge ebenfalls ab. Ein Antrag der Linken auf Vertagung einer Entscheidung scheiterte wegen eines Stimmenpatts, hier hatte sich Kirsch enthalten. Im Ausschuss sprach sich unter anderem die Vizechefin der Brandenburgischen Architektenkammer, Katja Melan, für das 1971 errichtete Minsk aus: „Eine lebendige Stadt sollte verschiedene Epochen abbilden und den nachfolgenden Generationen auch zugänglich machen." Oft erkenne man den Wert der Gebäude erst hinterher, wenn es schon zu spät sei. Zu spät dieser Ausdruck fiel im Bauausschuss während der Debatte gleich mehrfach. So sagte etwa Kirsch in Anspielung auf die architektonische Einheit aus dem alten Brauhausbad und Minsk: „Unser Hauptfehler war, dass wir vor Jahren das Ensemble zerstört haben." Nun sei es zu spät und die bessere Alternative aus seiner Sicht, „eine Bebauung zu errichten, die in sich stimmig ist". Auch Babette Reimers (SPD) argumentierte, dass Minsk sei Teil eines mittlerweile zerstörten Ensembles gewesen. „Die Idee gibt es nicht mehr", sagte sie. Der Ausschussvorsitzende Ralf Jäkel (Linke) erklärte, die Sicht auf den Brauhausberg sei „durch das blu verunstaltet worden". Trotzdem lohne es sich, das Minsk als Solitär zu erhalten. Sein Fraktionskollege Michél Berlin bekräftigte: „Wir können nicht eine Epoche vernichten." Es gehe um die Identität der Stadt. „Ich bin erzürnt, dass langjährige Mitglieder dieses Ausschusses die Pläne so beschlossen haben und jetzt plötzlich 'huch' schreien", so Reimers. Es gehe bei der Entscheidung um so viel Geld, das müsse man sehr ernst nehmen. Ein bisher unbekannter Investor hatte den Stadt werken 27 Millionen Euro für drei große Baugrundstücke am Brauhausberg geboten dafür will er das Minsk abreißen und Wohnungen bauen. Zwei Bieter hatten im Wettbewerb Entwürfe vorgelegt, die das Terassenrestaurant integrieren, allerdings mit deutlich niedrigeren Geboten. Mit den Einnahmen soll der von den Stadtwerken verantwortete Neubau des Schwimmbads blu refinanziert werden, der über 41 Millionen Euro verschlungen hat. Saskia Hüneke (Grüne) betonte, „die finanzielle Ebene kann uns nicht egal sein, aber es darf nicht der einzige Faktor sein". Die Grünen hatten eine komplette Neuausschreibung der Grundstücke gefordert wie am Alten Markt müssten die Areale nach dem besten Konzept vergeben werden, so die Grünen-Forderung. Neben dem finanziellen Aspekt argumentierten die Gegner der Anträge mit dem Zeitfaktor. „Wenn wir eine Extrarunde drehen, brauchen wir einen neuen städtebaulichen Wettbewerb", sagte Lars Eichert (CDU). Reimers warnte vor einer Verzögerung um fünf Jahre durch ein neues Verfahren. Die Grünen argumentieren hingegen, es handele sich um eine Entscheidung, die den vom Hauptbahnhof aus deutlich sichtbaren Berg für die nächsten hundert Jahre prägen werde daher könne man sich eine Verzögerung durchaus erlauben. Überdies griff Michél Berlin die Stadtwerke direkt an: Diese hätten das Minsk über Jahre verfallen lassen. Nun müssen noch der Hauptausschuss im Mai und die Stadtverordnetenversammlung Anfang Juni entscheiden. In beiden Fällen zeichnen sich sehr knappe Voten ab zumal Abweichler gerade in der SPD auch nicht ausgeschlossen sind. So hatten bereits Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe als auch Oberbürgermeisterkandidat und Sozialdezernent Mike Schubert durchaus ihre Sympathie für einen Erhalt des Hauses signalisiert wie auch die Bürgerinitiative „Mitteschön". Am Mittwoch appellierte ebenfalls die Linken-Landtagsabgeordnete Anita Tack an die Kommunalpolitik, die Entscheidung zu überdenken und einen „Frevel" an der Potsdamer Baukultur zu stoppen. „Nicht Investoren sollten über das künftige Stadtbild entscheiden, sondern demokratische und mutige Entscheidungen im Interesse der Bürger."

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 26.04.2018

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