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Streit um den Wald

28.09.2017

Geplantes Bauprojekt am Humboldtring erhitzt Gemüter im Bauausschuss


Zentrum Ost. Das geplante Bauprojekt eines Investors am Humboldtring in Zentrum Ost entwickelt sich immer mehr zum umkämpften Politikum. Am Dienstag wurde das Vorhaben im Bauausschuss in erster Lesung diskutiert. Die Debatte war heftig. Immerhin müsste für die angestrebten 270 Wohnungen davon 50 Sozialwohnungen auch das Wäldchen am Havelufer großteils weichen. Es würde nur mehr ein 25 Meter breiter Streifen übrig bleiben.

Um den Grünzug in Bauland umzuwandeln, wäre eine Änderung des Flächennutzungsplans notwendig. Im Gegenzug müsste der Investor den Wertzuwachs durch den Bau der Sozialwohnungen sowie von einer Kita oder Schule abgelten. Dass die Grünen massive Gegner einer Flächennutzungsplan-Änderung sind, ist seit längerem bekannt. Doch nun gibt es auch Gegenwind von der Fraktion Die Andere. Auch sie pocht darauf, dass der Plan eingehalten werden soll. „Hier entsteht der Eindruck, dass die Verwaltung sich gerne über solche Beschlusslagen hinwegsetzt, wenn ein geeigneter Investor gefunden wird es entsteht der Verdacht, dass die Verwaltung zum billigen Handlanger wird" , empörte sich Georg Bittcher: „Hier wird im Handstreich gleich ein ganzer Wald beseitigt." Saskia Hüneke (Grüne) fand deutliche Worte. Dies sei „ein klassisches Beispiel dafür, wie Verwaltung Grundsatzbeschlüsse,von Stadtverordneten,unterläuft". Und: „Der Flächennutzungsplan ist nicht Verfügungsmasse, sondern Ergebnis von Abwägungsprozessen.

"Hüneke verwies auf die Bedürfnisse des nahen Wohngebiets die Bewohner würden die Grünfläche brauchen. Michél Berlin (Linke) platzte bei dem Gedanken an das abgeholzte Wäldchen gleich ganz der Kragen: „Hier ist eine Schmerzgrenze erreicht." Allerdings gehört Berlin mit seiner Kritik zu einer Minderheit in der Linken-Fraktion. Klarer Befürworter des Bauvorhabens ist zudem die SPD. Auch die CDU äußerte sich in der Vergangenheit positiv. Stadtplanungschef Andreas Goetzmann verteidigte das Projekt: Man dürfe den Investor nicht mit Forderungen überfrachten. Sollte die Angemessenheit nicht mehr gegeben sein, sei es vorstellbar, dass das Projekt ganz auf Eis gelegt werden könnte. Wolfhard Kirsch (Bürgerbündnis/FDP) hakte noch mal bei den konkreten Zahlen nach: Wie es denn mit der Beteiligung an Kita und Schulplätzen aussehe, wenn der Investor nur eine kleinere Fläche ohne das umgewandelte Grünland bebauen dürfe? Außerdem thematisierte Kirsch die Parkplatzfrage im benachbarten Wohngebiet, die durch die entstehenden Neubauten möglicherweise zusätzlich verschärft werden könnte. Die Verwaltung soll nun zeigen, wie sich der Verzicht auf das Areal des Wäldchens auf das Bauprojekt auswirken würde.

 

 Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung vom 28.09.2017