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Wie viel kostet die Krampnitz-Tram?

28.05.2022

Verwirrung um Zahlen: Bislang wurde der Anteil Potsdams am Straßenbahnausbau mit 15 Millionen Euro angegeben nun stehen rund 53 Millionen Euro zur Debatte


Krampnitz/Neu Fahrland. Verwirrung um die Kosten, die die Stadt für die Tramtrassen-Verlängerung Richtung Norden nach Krampnitz aufbringen muss. Derzeit ist in Presseterminen und anderen Präsentationen von 15 Millionen Euro Eigenmitteln die Rede also zehn Prozent des insgesamt 150 Millionen Euro teuren Projekts. Doch in der Beschlussvorlage, für die die Stadtverordneten grünes Licht geben müssen, kann man eine ganz andere Zahl entdecken. Eine Zahl, die um ein Vielfaches höher ist: rund 53 Millionen Euro an Eigenmitteln. Neu Fahrlands Ortsvorsteherin und Bürgerbündnis Ko-Fraktionschefin Carmen Klockow fiel diese Diskrepanz im Vorfeld der Ortsbeiratssitzung am Mittwoch auf. Bei der Sitzung ging es um die Vorstellung der Trassen -Pläne, von denen der Ortsteil unter anderem wegen der erforderlichen Querung der Nedlitz-Insel direkt betroffen ist. Auch die Finanzierung des Projekts kam am Mittwoch zur Sprache inklusive der Irritationen bei der Lektüre der Beschlussvorlage. Darin steht Folgendes über die Finanzierung: „Die Kosten für das Gesamtvorhaben (Straßenbahntrassen-Erweiterung ohne neuen Betriebshof und Fahrzeuge) betragen nach dem letzten ermittelten Stand rund 150 Millionen Euro netto (Kostenschätzung 2016). Davon entfallen auf die Planung 22,4 Millionen Euro netto, auf die Bauausführung 122,6 Millionen Euro netto und auf den Grunderwerb beziehungsweise für die dauerhafte Sicherung der erforderlichen Grundstücke fünf Millionen Euro. Angenommen wird hierzu eine Zuwendung in Höhe von 97,1 Millionen Euro insgesamt (Annahme: zuwendungsfähige Kosten in Höhe von 107,9 Millionen Euro) und ein Eigenanteil von 52,9 Millionen Euro. " Zuletzt hatte der Geschäftsführer des Verkehrsbetriebs Potsdam (Vip), Uwe Loeschmann, jedoch immer eine ganz andere Rechnung aufgemacht: Dank einer relativ sicheren Förderung durch den Bund 75 Prozent sowie der erhofften Förderung durch das Land Brandenburg 15 Prozent müsste die Stadt bei der Trassen–Vorzugsvariante des Vip lediglich zehn Prozent der Kosten des Gesamtvorhabens stemmen, so Loeschmanns Ausführung. Macht bei 150 Millionen die vergleichsweise geringe Summe von 15 Millionen Euro. Loeschmann und ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung waren auch bei der Ortsbeiratssitzung am Mittwoch in Neu Fahrland zu Gast. Sie habe dabei auch die unterschiedlichen Angaben bei der Höhe der Eigenmittel angesprochen, sagte Klockow im Anschluss zur MAZ. Loeschmann habe die rund 53 Millionen an Eigenmitteln damit begründet, dass bei dieser Berechnung auch die Anschaffung der zusätzlichen Tram-Züge und der Bau des Betriebshofs eingerechnet worden seien. Doch aus der Beschlussvorlage geht ganz klar hervor: Es handelt sich nur um die Kosten für den Bau der Tramtrasse. Nun will Klockow eine Kleine Anfrage formulieren, um Licht in die Ungereimtheiten zu bringen. Auf MAZ Anfrage bestätigte Loeschmann gestern die Aussagen im Ortsbeirat. Doch am Mittwoch gab es noch eine weitere unliebsame Erkenntnis für den Ortsbeirat: „Uns wurde klar, dass es sich bei den präsentierten Kosten für das 150-Millionen-Projekt um Zahlen aus dem Jahr 2016 handelt", schildert Klockow den Negativ-Überraschungseffekt. „ Seit damals sind viele Jahre vergangenen." Sprich: Die Kosten werden sich vervielfachen. Ende des Jahres will der Vip aktualisierte Zahlen präsentieren. „Im vierten Quartal", so Loeschmann gestern: „Wenn die Variante feststeht, die wir beplanen, wird eine Kostenschätzung gemacht." Der Vorlage für die Stadtverordneten ist immerhin schon zu entnehmen, in welchem Rahmen sich diese Kostensteigerung mutmaßlich bewegen wird. Da heißt es nämlich:
„Aufgrund der Baukostensteigerungen der letzten Jahre ist gemäß Statistischem Bundesamt (...) vom Zeitpunkt der letzten Kostenschätzung im Jahr 2016 bis zum Jahr 2022 von einer Steigerung der Baukosten von circa 30 Prozent auszugehen." In der Folge wird in der Vorlage dann das Rechenexempel aufgemacht: „Unterstellt man nun für die oben benannten Kosten der reinen Bauausführung von 122,6 Millionen Euro eine Steigerung von 30 Prozent, so ergeben sich überschlägig nach heutigen Preisen Kosten der reinen Bauausführung von 159,4 Millionen Euro; es ist davon auszugehen, dass auch die Planungskosten in entsprechender Art und Weise steigen. Zu beachten bleibt, dass mit höheren Kosten der Bauausführung auch die angenommene Zuwendung aus Fördermitteln des GVFG (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, d. Red.) steigt; der Eigenanteil der Landeshauptstadt erhöht sich ebenfalls anteilig." Wie berichtet, hat der Vip zwei Trassen -Varianten vorgelegt. Bei der ersten würden die Gleise im Straßenraum der Nedlitz-Insel verlegt. Kernstück der Vorzugsvariante des Vip ist eine Trasse über die Insel mit separatem Gleiskörper auf der östlichen Seite der B2 dabei könnten die Trams schneller vorankommen. Allerdings haben Neu Fahrländer bereits deutlich gemacht, dass sie gegen das Vorhaben klagen wollen. Die Stadtverordneten sollen nun entscheiden, welche Trassen Variante sie für das Planfeststellungsverfahren empfehlen wollen.

 

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung vom 28.05.2022

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