TERMINE
NEWS FILTERN

„Wir werden uns wehren“

15.07.2020

Tram nach Krampnitz: Neu Fahrländer befürchten unzumutbare Konsequenzen Ortsvorsteherin Klockow moniert „veraltete" Zahlen in Verkehrsanalyse


Neu Fahrland. Eigentlich soll die geplanteVerlängerung der Straßenbahntrassevom Campus Jungfernseezum Großbauprojekt Krampnitz für Entlastung sorgen doch bei Anwohnern sorgen die Pläne eher für Belastung und Ängste. Einer, der besorgt in die Zukunft schaut, ist Manfred Angel. Als Geschäftsführer der Wohnpark Jungfernsee Dritte Immobilien GmbH vertritt er 23 künftige Anwohner, die in der Tschudistraße 6 auf der Insel Neu Fahrland leben werden. Der Winkelbau, der direkt an der Ausfallsstraße B2 steht, ist in der Phase der Fertigstellung.

Schallschutzwand gefordert

Seine Sorgen bringt Angel in einem Brief an die Stadtverwaltung auf den Punkt. „Nach meinem jetzigen Kenntnisstand wird die Tram unmittelbar an unserem Gebäude vorbeigeführt. Dann fordern wir ein Erschütterungsgutachten und die Zusicherung, dass sämtliche Schäden von Ihnen getragen werden", schreibt Angel in dem Brief, der der MAZ vorliegt. Und: „Ihren Planer interessiert offensichtlich auch nicht die Feuerwehrzufahrt, die zugebaut wird", so Angels Vorwurf: „Wie sollen wir aus den Hausausgängen A und B kommen?" Nach Angels Ansicht wird durch das Vorhaben das „Schutzgut Mensch" außer Acht gelassen. Er fordere eine Schallschutzwand aus Glas dicht an der Tram, schreibt Angel, der selbst als Verkehrsplaner tätig war. Was für ihn unverständlich bleibt: Weshalb die Trassenführung nicht auf der anderen Seite der Straße -vor der Märkischen Entsorgungsanlagen-Betriebsgesellschaft (MEAB) erfolgt. Angels enttäuschtes Fazit in seinem Brief: „Wir werden uns wehren. Niemand auf der Insel möchte die Tram zusätzlich zu dem Kfz-Aufkommen von Krampnitz und dem dann entstehenden Verkehrskollaps, außer der Stadt, der das offensichtlich egal ist." Auf eine MAZ-Anfrage hinsichtlich der Bedenken von Manfred Angel reagiert die Stadtverwaltung zugeknöpft und verweist auf eine Pressekonferenz am Donnerstag, wo Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos) mit ViP-Geschäftsführerin Claudia Wiest über den Start des Online-Dialogs „Tram96" zur Tramerweiterung im Norden informiert. Das knappe Statement: „Hinweise und Bedenken von Anwohnern werden in der Entwurfs und Genehmigungsplanung der Tram Trasse, die derzeit stattfindet, berücksichtigt und eingearbeitet", erklärt Stadtsprecher Markus Klier. „Wie diese Themen aufgegriffen werden, wird kommenden Donnerstag vorgestellt."

Auch andere Anwohner entlang der Strecke machen sich Gedanken. Wilhelm Wilderink ist Eigentümer der Villa Adlon nördlich der Insel Neu Fahrland. Nachdem er im Rathaus Einsicht in die Trassenplanung genommen hat, ist er zumindest „irritiert". Zu seinem Grundstück gehören noch drei weitere Gebäude, die an der B2 oder in der Nähe stehen. Ein Plattenbau müsste der Trasse weichen ihm würde Wilderink „keine Träne nachweinen". Aber auch ein Brückenwärterhäuschen aus der Persius-Zeit befindet sich auf der mutmaßlichen Trassen Fläche. Es ist denkmalgeschützt und soll wohl auch geopfert werden, genauso wie ein Gartenhaus. Generell, das macht Wilderink deutlich, ist er kein Gegner der Straßenbahnverlängerung. „Ich finde die Tramverlängerung etwas Schönes aber es ist eine Frage der Machbarkeit. Kein Mensch weiß, wie das finanziert wird, woher die Grundstücke kommen und ob die Planung überhaupt vor dem Hintergrund der engen Bebauung an der Straße so realisiert werden kann."

Schon jetzt hohe Lärmbelastung

Um seine Zweifel zu illustrieren, wählt Wilderink einen Vergleich:
„Es würde ja auch kein Mensch auf die Idee kommen, in der Innenstadt von Venedig einen Flughafen zu bauen." Was ihm Kopfzerbrechen macht, ist die Verkehrssituation. Denn schon jetzt sei die Lärmbelastung an der B2 zu hoch. „Die weitere Verkehrsplanung ist aus emissionsschutzrechtlicher Sicht unzulässig, sofern keine verbesserten Vorschläge gemacht werden", kritisiert Wilderink, der in Verhandlungen mit der Stadt über die Trassenflächen steht. Er will sich dem Vorhaben nicht in den Weg stellen, hält es allerdings für ein „Fantasieprojekt, das man auf Biegen und Brechen realisieren will". Seine Prognose: „Räumlich und verkehrstechnisch nicht machbar."

Um den drohenden Verkehrskollaps zu vermeiden, gibt es aus Wilderinks Sicht nur einen Weg: Das Großbauvorhaben Krampnitz müsste verschlankt werden. Und: „Entscheidend für die weitere Entwicklung muss sein, dass die Tram mit allen Voraussetzungen Finanzierung, Trassenführung, Eigentumsverhältnisse, Planfeststellungsbeschluss endgültig gesichert ist. Erst dann darf Baurecht in Krampnitz von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden", fordert er. Außerdem seien alle Absprachen mit Investoren offenzulegen. „Hier steht das Interesse der Öffentlichkeit schlicht über dem Geheimhaltungsinteresse der Stadt Potsdam und der Interessenten", so Wilderink. Auch bei Neu Fahrlands Ortsvorsteherin Carmen Klockow (Bürgerbündnis) wächst die Sorge angesichts von Unklarheiten. Jüngstes Beispiel: die Verkehrsauswirkungsanalyse, die die Stadt auf Weisung der Landesregierung vorlegen musste, um eine Genehmigung für die Krampnitz-Bebauung zu bekommen. Bei der Durchsicht des Zahlenwerks ist Klockow auf Ungereimtheiten gestoßen. „Die Zahlen der Verkehrszählung basieren auf Angaben der Landeshauptstadt aus einem ,Verkehrsflussmodell' aus dem Jahr 2015 ", moniert sie. Die Planungen für Krampnitz sehen bis 2024 eine Steigerungum gut 3800 Einwohner vor und gehen davon aus, dass die daraus resultierende Verkehrsbelastung von der B2 verkraftet werden kann. In den Berechnungen der Verkehrsauswirkungsanalyse bleibe jedoch die rege Bautätigkeit in Groß Glienicke, Fahrland, Neu Fahrland, Bornstedt unberücksichtigt, die zu einer entsprechenden Zunahme der Bevölkerung und des Verkehrs geführt habe, sagt Klockow. Die Bevölkerung ist seit 2015 hier um ungefähr 6800 Einwohner gestiegen. „Diese Zahl findet keine Berücksichtigung", kritisiert Klockow.

 

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung vom 15.07.2020

Die Potsdamer Fraktion Bürgerbündnis stellt sich vor:

Das Bürgerbündnis Potsdam vertritt seit über 20 Jahren in der Kommunalpolitik die Anliegen von Menschen, denen Potsdam am Herzen liegt. Ohne Parteizwang, ohne Lobbyismus - dafür mit Sachverstand und Leidenschaft für die Interessen der Bürger unserer Stadt.