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Zwist um Speicherstadt

19.12.2017

Hotel-Pläne an der Langen Brücke stoßen auf Kritik. SPD und Bürgerbündnis verteidigen Entscheidung


INNENSTADT Die Pläne für die Neubebauung der nördlichen Speicherstadt sorgen in Potsdam für Diskussionen: Die Bürgerinitiative Mitteschön bezeichnete den Entwurf für ein Hotel an der Langen Brücke als eintönig und einfallslos. Auch im sozialen Netzwerk Facebook hagelte es Kritik. In der Stadtpolitik waren die Ansichten zum Für und Wider des Projekts gemischt. Am Wochenende waren die Pläne des Investors für die nördliche Speicherstadt publik geworden (PNN berichteten). Die Pläne sind das Resultat eines Fassadenwettbewerbs mit fünf Bewerbern. Eine Jury, besetzt mit Vertretern der Stadt, der Pro Potsdam, der Projektentwickler und freien Architekten, hatte in der vergangenen Woche einen Sieger gekürt. Demnach soll ab dem Jahr 2019 am Leipziger Dreieck ein Drei-Sterne-Hotel mit 190 Betten sowie 80 Hotelapartments für Gastwissenschaftler errichtet werden. Der Entwurf stammt vom Berliner Büro Wolff Architekten. Er sieht einen im weitesten Sinne U-förmigen, mit Ziegeln verblendeten Baukörper vor, dessen offene Schenkel parallel zur Havel und zur Leipziger Straße verlaufen. An der Langen Brücke ist die Fassade geschlossen bis auf eine Passage im Erdgeschoss, die über den Innenhof und eine Freitreppe schließlich auf eine sogenannte Piazza im Inneren des neuen Viertels führen soll. Die Fassade des Hotels werde „einen tollen neuen Akzent an diesem städtebaulich wichtigen Punkt in der Stadt setzen", sagte Klaas Vollbrecht vom Projektentwickler Asenticon AG. Doch gerade die Fassade sorgt nun für die heftigsten Reaktionen. Am Montag meldete sich die Bürgerinitiative Mitteschön zu Wort: „Mitteschön ist nicht begeistert, Mitteschön ist entsetzt!", so Sprecherin Barbara Kuster. Der Entwurf für das Hotel sei belanglos, beliebig und so gar nicht Potsdams würdig. Man werde so in Zukunft aus dem Bahnhof treten und der Blick falle auf zwei uninteressante durch eintönige Gestaltung auffallende Gebäude. „Einmal auf das gruselige Bad und daneben dann nicht minder einfallslos das Hotel, das da entstehen soll.", hieß es. An dem Entwurf für den Zweckbau lässt die Initiative, die sich sonst vorrangig für den Wiederaufbau überwiegend barocker Repräsentativgebäude wie Stadtschloss und Garnisonkirche einsetzt, kein gutes Haar: „Damit wird das Bahnhofsumfeld nun endgültig zur No-go-Area!" Auch bei der Stadtverordneten Saskia Hüneke (Grüne) lösten die Pläne keine Begeisterung aus. „Ich hätte mir da etwas Luftigeres gewünscht", sagte sie den PNN. Allerdings wolle sie sich noch einmal mit dem Wettbewerbsergebnis auseinandersetzen.Wünschenswert sei auf jeden Fall, dass auch die zweit und drittplatzierten Entwürfe öffentlich gezeigt werden, so Hüneke. Andere Stadtverordnete teilen die Kritik nicht. SPD-Fraktionschef Pete Heuer wie Hüneke auch Mitglied im zuständigen Bauausschuss warnte vor einer Geschmacksdebatte. „Solche Diskussionen haben uns noch nie gut getan."

Der Entwurf sei im Kern gelungen. Das Gebäude nehme den Bogen des benachbarten Sport und Freizeitbads blu auf und setze den Schwung fort. Die Fassadengestaltung bezeichnete er als mutig. Positiv hob er hervor, dass auf dem Dach des Hotels keine auffälligen Technikaufbauten vorgesehen seien. Auch im sozialen Netzwerk Facebook entzündete sich an den Hotel-Plänen eine Debatte. Neben ästhetischen Urteilen („Hässlicher Klotz" oder „Sieht überhaupt nicht nach Potsdam aus") wurde auch kritisiert, dass andere Gebäude abgerissen würden, weil sie nicht als schön empfunden würden, und nun ein neues gebaut werde, das auch nicht ansprechend sei. Andere Facebook-Nutzer stellten den Bedarf für ein Hotel infrage. Stattdessen wurden bezahlbare Wohnungen gefordert. Die Eignung des Grundstücks für die Wohnbebauung war allerdings schon bei der Konzeption des Bebauungsplans angezweifelt worden. Darauf wies am Montag auch der Stadtverordnete Wolfhard Kirsch (Bürgerbündnis) hin. Tatsächlich dürfte die Lage, eingeklemmt zwischen dem Kreuzungsbereich der Leipziger Straße mit der an dieser Stelle siebenspurigen Langen Brücke und den Gleisen der Bahnstrecke, nicht gerade als ruhig gelten. Auch eine höherpreisiges Hotel sei an dem Standort nicht vorstellbar. „Das ist keine Lage für ein Palasthotel", sagte Kirsch.

Das geplante Hotel soll den Auftakt zur nördlichen Speicherstadt bilden. Die Pro Potsdam hatte wie berichtet in diesem Jahr den Zuschlag für das gesamte 24000 Quadratmeter große Areal zwischen Leipziger Straße und Havelufer erteilt. Für 17 Millionen Euro ging das Grundstück an Asenticon und Reggeborgh, die private Investmentgesellschaft des niederländischen Bauriesen Kondor Wessels. Bis zum Jahr 2022 sollen 180 Millionen Euro investiert werden. Vorgesehen sind unter anderem rund 270 Wohnungen, breite Grünzüge und ein Casino. Eigentlich hatte die kommunale Bauholding Pro Potsdam die Brache der nördlichen Speicherstadt nicht im Paketverkaufen wollen, um eine ähnlich massive Bebauung wie in der angrenzenden mittleren Speicherstadt zu vermeiden. Die Entscheidung hatte schon damals für Kritik gesorgt: Es sei geradezu ein Skandal, was dort vor sich gehe, hatte die frühere Vorsitzende des Potsdamer Gestaltungsrats, Ulla Luther, beklagt. Ursprünglich sei geplant gewesen, das Areal blockweise an einzelne Bauherren zu veräußern, um eine Vielfalt an Architektur zu erreichen, hatte sie erklärt. Dass nun alles an einen Investor gehe, sei abzulehnen.

 

 Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 19.12.2017

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